Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

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Brisme
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Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Brisme » Mi 26. Apr 2017, 23:50

Hallo zusammen

Ich habe mein rechtes Auge durch eine lange Krankengeschichte verloren.
Nach der Enukleation bekam ich ein Glasauge. Glasaugen bekommt man einmal im Jahr neu verschrieben, da Glas nicht poliert werden kann, und die Tränenflüssigkeit zu salzig und zu sauer ist. Das Glas wird dadurch stark beansprucht und zerkratzt mit der Zeit.
Das gleiche gilt natürlich für Acrylaugen.

Da ich relativ große Augen habe, und meine Augenhöhle weit zurück liegt, sahen Glasaugen immer etwas eingefallen bei mir aus. Nachdem ich dann eine Glasprothese über die Terasse hab hüpfen lassen, ließ ich mir ein Acrylauge verschreiben.
Es ist üblich einen Kostenvoranschlag zur Krankenkasse zu schicken, da es deutlich teurer ist, als das Glasauge.

Das Acrylauge kann man mehrere Jahre tragen. Es muss nur zwischendurch aus oben genannten Gründen poliert werden.
Es ist in der Herstellung vielleicht einfacher, aber viel langwieriger als ein geblasenes Glasauge.

Bild

Während Glasaugen von Ocularisten hergestellt werden, kümmert sich hier in Deutschland meist der Epithetiker um eine Acrylprothese.
Eine Epithese ist ein Teil des Gesichts - also eine Gesichtsprothese:
Bild

Meine Epithetikerin hat zunächst eine Abruckmasse in mein Auge gegossen (Wie die vom Zahnarzt)
Das ist angenehm kühl, etwas ungewohnt schleimig am Anfang ;)

Anhand dieses Abdrucks fertigt sie ein Wachsmuster an. Dieses Wachsmuster wird dann beim 2. Termin genau angepasst.
Bild

Bei diesem Termin wird dann auch die Farbe der Iris genau ausgesucht.
Bild

Die Iris ist in der Acrylprothese mit eingegossen.
Hier sieht man ein Stäbchen an der Pupille, um die Blickrichtung genau auszuloten.
Bild

Bild

Insgesamt kann es sein, dass man für ein Acrylauge bis zu 4 Termine wahrnehmen muss eh sie fertig ist (Glasaugen werden in der Regel innerhalb einer Stunde aus einem fertigen Rohling geblasen)

Und so sieht das fertige Acrylauge jetzt bei mir aus:
Bild

Hier sieht man, dass das Acrylauge einfach besser sitzt als das Glasauge, da es genauer und feiner angeschliffen werden kann. Wenn Glas einmal geblasen ist, kann man nichts mehr an der Form verändern.

Oben Acryl
Bild
Unten Glas

Ich hoffe euch bei der Entscheidung ein wenig geholfen zu haben. Wer noch Fragen zu den unterschiedlichen Herstellungsmethoden hat, kann mich gerne anschreiben.
Neben der hier vorgestellten Herstellung kann der Prothetiker auch einen Rohling bestellen, den er nur noch schleifen braucht - der aber logischerweise nicht so gut passen könnte ;)
Bild


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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Olga1991 » Do 27. Apr 2017, 06:02

Sehr hilfreicher Beitrag, danke dafür :)

Ich schicke nächsten Monat ein Kostenvoranschlag zur KK.

Ich bin sehr gespannt :D


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09/2017: Kunststoff Augenprothese (Acryl)

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Bits&Bytes
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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Bits&Bytes » Do 27. Apr 2017, 13:27

Hallo Britt,

mal wieder ein toller Beitrag von Dir, was man vielleicht noch erwähnen sollte ist der Vorteil, das Acrylaugen (wesentlich) leichter als Glasaugen sind.

Kann bei schlaffem Unterlid den entscheidenden Vorteil ausmachen.

Viele Grüße

Udo


Man weiß nie wie stark man ist, solange bis stark zu sein die einzige Wahl ist, die man noch hat.

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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von sstempel » Do 27. Apr 2017, 13:37

Hallo Brisme,
Schön das Sie so zufrieden mit Ihrem Epithetiker sind, und uns hier so ausführlich über seine ocularistische Leistung in Wort und Bild berichten.
Ich denke das jeder so seine Meinung zu bestimmten Sachverhalten haben kann.
LG
sstempel



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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Brisme » Fr 28. Apr 2017, 00:58

Sstempel, ich war auch mit meinen Ocularisten zufrieden. Sie waren alle 3 sehr geduldig und haben gute Arbeit geleistet. Trotzdem hatte ich bei allen Glasaugen das selbe Passproblem. Es liegt also tatsächlich an dem Platz, der durch die OP im Auge gegeben wurde. Da ist niemand dran schuld, und es ist auch keiner "besser" als der andere.

Deswegen soll meine Erfahrung jetzt auch nicht nach Werbung klingen ;)

Ich warte noch auf den Tag an dem man sich die Prothese zuhause am 3D Drucker selbst gestalten kann *lach*


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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Brisme » Fr 28. Apr 2017, 01:18

Udo - du schreibst, dass Acryl wesentlich leichter ist. Das trifft zu, wenn man die gleiche Menge an Material miteinander vergleicht.
Das Glasauge ist aber häufig hohl, während das Acrylauge Vollguss ist. In meinem Fall wiegen sie zufällig gleich viel. (Was wohl sehr schwer zu messen ist bei der geringen Größe) ;)


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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von sstempel » Sa 29. Apr 2017, 08:52

Brisme hat geschrieben:
Fr 28. Apr 2017, 00:58
Sstempel, ich war auch mit meinen Ocularisten zufrieden. Sie waren alle 3 sehr geduldig und haben gute Arbeit geleistet. Trotzdem hatte ich bei allen Glasaugen das selbe Passproblem. Es liegt also tatsächlich an dem Platz, der durch die OP im Auge gegeben wurde. Da ist niemand dran schuld, und es ist auch keiner "besser" als der andere.

Deswegen soll meine Erfahrung jetzt auch nicht nach Werbung klingen ;)

Ich warte noch auf den Tag an dem man sich die Prothese zuhause am 3D Drucker selbst gestalten kann *lach*
Hallo Brisme,
Es gibt Ocularisten die Kunststoffaugenprothesen (PMMA) ebenso fertigen können wie Glasaugenprothesen ( Zusatzausbildung), und technische Neuheiten wie 3D Druck finde ich sehr Interessant. Ein Abdruck von der Augenhöhle (Orbita) wird meist als nicht so angenehm empfunden. Zum 3D Druck, mir bekannt seit 2013, habe ich noch Interessante Links für Sie:

https://www.3d-grenzenlos.de/magazin/fo ... r-2713443/
und
https://3druck.com/medizin/portugiesisc ... n-0356696/

Bei letzteren interessant die Scan Methode, die Möglichkeiten der Medizinischen Forschung in Bezug auf Sehfähigkeit, sollte man auch nicht Vergessen. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

LG
sstempel



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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Bits&Bytes » So 30. Apr 2017, 10:53

Hallo Herr Stempel,

danke für die sehr interessanten Links, fast schade das ein 3D-Druck mit Glas nicht möglich ist und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch nie sein wird. ;) :(

Viele Grüße und ein schönes Wochenende


Man weiß nie wie stark man ist, solange bis stark zu sein die einzige Wahl ist, die man noch hat.

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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Vkcky » Mo 2. Apr 2018, 12:27

Hallo Brisme. Ich verfolge deine Kommentare schon eine ganze Weile. Ich finde es toll wie du damit umgehst. Ich stehe kurz vor meiner Op. Am 11.04 ist es soweit. Ich wohne in Essen und hab mich für Mühlheim entschieden. Und ich möchte auch ein Acrylauge , WERDE das mit meinen Oculisten besprechen, hab 14 Tage nach der Op einen Termin. Mein Occulist bzw. Die Oculisten bei denen ich bin, da SIN mehrere, machen beides ,Glas und Kunstaugen. Hoffe ich sehe nachher auch wieder so gut aus wie du. Ich muss mir immer wieder DEIN Foto ansehen, das macht mir soviel Mut. LG. Vicky.



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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Vkcky » Di 21. Aug 2018, 21:32

Hallo Britt. Ich hatte dir schon einmal geschrieben, leider keine Antwort erhalten. Ich würde dich gerne fragen, ob dieser Wachsabdruck, bei Dir im Auge bleibt und der das Auge ausfüllt und darüber dann dein Acryl Auge kommt, bei Dir sieht das so natürlich aus. Und vor allem deine Augen sind wirklich gleich groß.ich hab die Op ja nun seid April hinter mir. Trage noch ein Glasajge, möchte aber Zu Acryl wechseln. Mein Augenlid ist leider immer noch etwas dick, hab das Gefühl es wird nicht mehr kleiner. Dadurch wirkt das Auge kleiner als das andere. Ich hoffe, das ich dich nicht belästige, und hoffe du antwortest mir, würde gern mehr erfahren. LG. Vicky.



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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Olga1991 » Mi 22. Aug 2018, 08:22

Darauf kann ich dir auch die antwort geben 😂 Der Wachsabdruck bleibt nicht drin, es wird nur für die Anpassung verwendet.

Das Acryl auge liegt dann direkt auf der Bindehaut, also da kann sich nicht soviel Flüssigkeit ansammeln wie bei Glas 😊


12/2016: Enukleation linkes Auge
09/2017: Kunststoff Augenprothese (Acryl)

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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Vkcky » Mi 22. Aug 2018, 13:12

Danke Olga. Lieb von dir. Hast du auch Bilder von dir ? Vorher Nachher. Also erst mit Glas und dann mit Acryl? Und vielleicht auch Fotos von den Augen ,vor der und Rückseiten? Würde gern mal die Unterschiede sehen. Ist dein Auge mit dem Acryl jetzt grösser als vorher mit Glas.? Viele Fragen ,ich weiss aber würde das gern wissen.lg. Vicky.



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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Vkcky » Mi 22. Aug 2018, 13:15

Kann mir jemand einen Ephitekiter in meiner umgehend empfehlen oder nennen. Ich komme aus Essen.?😍😍😍😍



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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Patient81 » Mi 22. Aug 2018, 16:06

Hallo Vicky,

ich habe das mal recherhiert und bin schnell fündig geworden:

http://www.dbve.de/mitglieder.html


Da sind alle Praxen und Kliniken aufgelistet. Zwar Essen nicht dabei, aber Düsseldorf und Leverkusen sind ja unweit zu dir nach Essen.

Vielleicht findest du da etwas für dich. :)


PS: Abgesehen davon hast du auch eine Anlaufstelle namens DOG (Deutsche Ocularistische Gesellschaft). Die werden dir mit Sicherheit auch Ocularisten nennen können, die Kunststoffaugen herstellen. Ob diese dann in deiner Umgebung sind, weiß ich persönlich nicht. :)

PPS: Admin, hoffe, der Link ist nicht gegen das Reglement.


Beste Grüße

Patient81



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Re: Mein Acrylauge (Herstellung beim Epithetiker)

Beitrag von Vkcky » Do 23. Aug 2018, 22:16

Oh. Danke. Das ist sehr lieb. Werde gleich mal reinschauen. Vielen liebe Dank.😍😍😍😍



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